Ja, 7 (!) Monate bin ich nun schon in Asien unterwegs. Und heute ist mein letzter Abend hier, morgen um diese Zeit bin ich schon im Flieger nach Perth (Australien). Im Moment schwanke ich zwischen Vorfreude auf das Neue, mich den Herausforderungen zu stellen und der Aussicht, einfach mal wieder arbeiten zu gehen! Auf der anderen Seite schwingt aber im Moment auch viel Wehmut und Trauer mit, diesen tollen Kontinent nun zu verlassen. Und Singapore macht es da nicht einfacher, diese Stadt ist fuer mich einer der vielen Hoehepunkte hier in Asien. Eigentlich genau die richtige Zeit, mal zurueckzuschauen und sich zu erinnern, was ich die ganze Zeit denn so getrieben hab.
Ende Juli ging alles mit dem Flug nach Riga los, voellig chaotisch und nicht wirklich organisiert, ebensowenig wie mein Treffen mit Sandra in Tallinn. Moskau wurde im stop-over Verfahren abgehandelt, nur eine Fussnote auf dem Weg zum ersten Abenteuer - die Fahrt auf der Transsibirischen Eisenbahn. Dreieinhalb Tage auf vielleicht 5 Quadratmetern mit 3 Generationen russischer Frauen - inklusive russischer Gastfreundschaft, dem Bier Baikal 7, dem einschlaeferndem klickklack-klickklack der Schienenstoesse, endlosen Birkenwaeldern und natuerlich "Chai" (Tee). Am Ende war ich dann doch froh, angekommen zu sein um mich dem ersten Workcamp meiner Reise zu widmen.
Der August war vornehmlich vom Wegebau, sitzen am Lagerfeuer, russischen Liedern, sehr viel Spass und dem Baden im eiskalten Bergbach und im Baikalsee gepraegt. Eine Erfahrung, die ich nicht missen moechte, eher moechte ich sie wiederholen!
Ebenso wie die anschliessende Fahrt auf die Sonneninsel des Baikalsees, Olchon! In dieser Landschaft wirken alle Farben als wuerden sie im Bildbearbeitungsprogramm noch zusaetzlich verstaerkt. Ende August ging es dann weiter in die Mongolei, Jeepsafari durch die Gobi. Unendliche Weiten, eine sich nur abundzu aendernde Natur, das Schlafen in Jurten und eintoeniger Reis mit Lamm...
Im September dann kam meine Mutter nach China, zwei Wochen mit mir zusammen das Land unsicher machen! Neben Shanghai, Hangzhou, den Terrakotta-Kriegern, Beijing, der Mauer ging es auch auf dem Yangtze durch die 3 Schluchten. Ich denke, meine Mutter wird sich noch lange an diese Reise erinnern. Und schon war ein Viertel Jahr rum ...
Den Oktober habe ich erstmal damit zugebracht, die chinesische Buerokratie mit der Verlaengerung meines Visums zu beschaeftigen. Und mich selbst quaelte die Frage, wie denn nun weiter. Bis hierhin waren ja die Fixpunkte geplant, nun mussten neue Ideen her. Nach verschiedensten Ueberlegungen hab ich mich dann entschieden, in Nepal an einem Workcamp von SCI teilzunehmen. Und auf einmal musste alles ganz schnell gehen, am 26. Oktober hiess es antreten in Nepal. Auf dem Weg dahin galt es aber noch die Kultur der Tibeter kennenzulernen und den Himalaya zu ueberquaeren. Dabei hab ich gleich einen neuen Rekord fuer mich aufgestellt, denn hoeher als 5400 m bin ich noch nie gekommen.
Der November war dann vom malern einer Schule und dem anschliessenden Trekking gepraegt. Einfach mal 4 Tage lang auf Wegen, die noch nie ein Auto gesehen haben, an sehr einfach lebenden aber immer freundlichen Menschen vorbei und dabei immer in wunderschoener Natur mit dem Blick auf die Achttausender. Definitv eines der Highlights! Und Ende des Monats kam dann Anne, meine Reisebegleitung fuer die naechsten 2 Monate in Hongkong an.
Zusammen haben wir dann im Dezember Suedwestchina unsicher gemacht, eine Region die nicht allzuviele Touristen besuchen, mal abgesehen von den Kaarstfelsen in Guilin. Wenn man sich der Grenze zu Vietnam und Myanmar naehert, wirkt alles so unchinesisch und unterstreicht nur, dass eingepraegte Bilder oder Meinungen allzuoft auf Reisen ueber Bord geworfen werden muessen! Was ja nichts schlechtes ist ... Weihnachten haben wir dann in Hanoi gefeiert und uns zur Feier des Festes nicht nur franzoesische Suessigkeiten gegoennt, sondern auch eine Fahrt in die Halong Bay, mal wieder Kaarst sehen!
Silvester wurde dann ganz ruhig im Dschungel gefeiert, angestossen haben wir mit einem Bier.
Die folgenden 3 Wochen wurde Vietnam von Nord nach Sued durchquert und ich habe zum ersten Mal das asiatische Festland verlassen. Phu Quoc heisst die Insel und fuenf Tage nur Strandfaulenzen waren auch eine neue Erfahrung fuer mich. Danach per Boot nach Kambodscha und sich die Reste der einstigen Hochkultur der Khmer anschauen - Angkor Wat! Bei bruetender Sonne auf den Spuren Lara Crofts durch die Tempel streifen und dabei die doch sehr detailreichen Verzierungen bewundern. Und weiter gings nach Bangkok, der Abflug Annes nahte. Nach zwei gemeinsamen Monaten fiel uns der Abschied sichtbar schwer. Fuer mich war nun ein halbes Jahr rum und ich stand wieder vor der Frage, wie weiter.
Erstmal abgammeln in Bangkok, von den 4 Wochen Thailand im Februar hab ich knapp drei in Bangkok verbracht. Das Hostel war aber auch ein zu netter Ort ... Zum Schluss dann doch noch shoppen gewesen und losgekommen, wieder auf dem Weg in Richtung Sueden, also Australien naeher kommen. Malaysia ist auch nur etwas mehr als ein Stopp-Over gewesen, leider! Aber hat das erste muslimische Land auf meiner Reise durchaus Appetit auf mehr gemacht, hat es doch ein reichhaltige, vor allem koloniale Kultur und einen der groessten zusammenhaengenden tropischen Regenwaelder.
Tja, und nun bin ich in Singapore, dem suedlichsten Punkt in Asien, dem man sich ohne Schiff naehern kann. Eines ist fuer mich sicher, Asien habe ich nicht bereut und werde auf jeden Fall wiederkommen. All jenen, die auf Asien mit "Was willste denn DA????!" reagiert haben kann ich nur sagen, es lohnt sich und ihr werdet soviele verschiedene Eindruecke bekommen. Von der Anzahl und Verschiedenheit der Kulturen ist Asien problemlos mit Europa vergleichbar!
Aber nun genug zurueckgeschaut, jetzt heisst es vorwaerts, auf nach Australien! Von dort gibt es dann mehr von mir, vorausgesetzt ich loese mich nicht in Wasserdampf auf. In Perth erwarten mich naemlich mehr als 40 (!!!) Grad Celsius ...
Bis denne
Euer Kay