
Wiedereinmal war es soweit, die Stocktaker sind unterwegs. Mit den zwei firmeneigenen Autos ging es diesmal weit in den Norden und Osten Westaustraliens, also mittenrein ins nirgendwo. Geplant waren fünf Tage, Donnerstag füh gings los und die Rückkehr war für Montag abend angesetzt. Aber es sollte anders kommen, zumindestens für einen Teil der Gruppe...
Los ging es am Donnerstag morgen 7.30, gefühlte 3.30 Uhr morgens. Um erstmal den gefühlten jetlag zu überwinden wurde noch eine Kaffeepause bei Barry zuhaus eingelegt bevor es dann ca. 200km in den Norden nach Jurien ging. Ein mittelgrosser Supermarkt, nicht weiter interessant. Interessant fuer uns sollte der Ausflug zum Windpark sein, zumindestens nach Ansicht von Barry. Ein bisschen enttaeuscht war er glaube ich schon als ich ihm erzaehlte, dass dieser Anblick fuer Deutsche nun wirklich nix besonderes mehr ist. Die Groesse war schon ganz ordentlich, immerhin kann der Windpark 50.000 Haushalte mit Strom versorgen. Und unter den Rotoren grasen die Kuehe, ganz nach der Gruenen Weltanschauung.
Uebernachtung dann in Dongara, nochmals ca. 150 km weiter noerdlich. Den Ort kannte ich ja schon von meinem ersten Ausflug, kleines verschlafenes Nest direkt am Meer, leistet sich aber immerhin 3 mehr der weniger grosse Baumaerkte!
Naja, in der Gegend wird gerade auch viel gebaut, nach dem eigenen Haeuschen oder Apartment baut sich der Grossverdiener-Minenarbeiter nun halt ein Ferienhaus.
Am naechsten Morgen den oertlichen IGA-Supermarkt gezaehlt und weiter gings nach Kalbarri, mehr oder weniger das Urlaubsziel der in Perth lebenden. Ein Team hat gearbeitet, dass andere (die Touristen unter uns) konnten die Umgegend unsicher machen. Der Ort liegt an der Flussmuendung des Murchison Rivers, der nicht weit entfernt vom Ort einen wunderschoenen Canyon hat entstehen lassen. Bevor wir den in Angriff genommen haben, hiess es erstmal Mittag essen, diesmal nicht in einem Roadhouse oder einer sonstigen Burgerstation sondern in einem richtigen Restaurant!!! Hab gleich die Chance genutzt mal wieder was gesundes zu essen und einen Salat bestellt!
Kalbarri liegt wunderschoen am Indischen Ozean, tolle Kliffs und einsame Straende. Dies sieht auch unsere Stocktaking-Gang so, Barry vorn hatte eine schoene Erklaerung, warum der Himmel blau ist: das Licht spiegelt sich im Ozean. Tolle Erklaerung fuer Verliebte, naja vielleicht bin ich da doch zu sehr aufgeklaert ... Ah ja, und solche Campervans sieht man hier haeufiger: ganz praktisch, man kann zu zweit hinten drinne schlafen, hat Campinggeschirr dabei und ist unabhaengig. Die Dinger gibt es zu mieten und jeder hat einen anderen tollen Spruch drauf. Den hier fand ich nun wieder sehr gut ...

Zum Canyon fuehrt eine dieser typischen australischen Pisten, gelber Sand und Straeucher bis zum Horizont. Die Schlucht selbst taucht dann unvermittelt in dieser eintoenigen Landschaft auf. Vom ersten Aussichtspunkt sieht man gut die kleinen Schluchten der Nebefluesse. Wir aber wollten ja noch weiter, zum "natural window". An diesem Aussichtspunkt sieht man wie der Fluss eine Schleife beschreibt und die Stelle, an der er wohl in der Zukunft mal durchbrechen wird. Bestimmt nicht heute, den ausser einigen Tuempeln fuehrt der Fluss kein Wasser, ist halt schon Trockenzeit. Alles weitere erzaehlen ja die Bilder besser als ich ...

Uebernachtung dann in Geraldton, von wo es dann am naechsten morgen 300 km nach Osten gehen sollte. Das ist wirkliches Outback, hier sagen sich nicht mal mehr Hase und Igel Gute Nacht. Dafuer dann aber wenigstens eines unserer Autos, es hat einfach seinen Geist in Yalgoo aufgegeben. Glaube, da war wohl die Benzinpumpe futsch, oder sowas. Was folgte waren viele und lange Telefonate von der einzigen oertlichen Telefonzelle, Handyempfang gabs selbstredend natuerlich nicht. Selbst die Leute vom RCA (dem australischen ADAC) meinten, dass wir uns wirklich im nirgendwo befinden und uns wohl keinen besseren Ort haetten aussuchen koennen. Naja, wenigstens sind wir in einer Siedlung mit Pub und General Store gestrandet ... und die Tourismusinfo, so eine Art Wandzeitung, hat ja auch gross versprochen: "Your outback-adventure starts here!" Wohl war ...

Um das Auto in die naechst groessere Siedlung (die Australier nennen selbst Kreuzungen mit ein paar Haeusern drumherum "Town"!) zu schleppen (rund 150 km), haette die Firma 600 Euro zahlen sollen, ohne zu wissen, ob das Auto ueberhaupt repariert werden kann. Soviel ist das Auto mit mehr als 300.000 km auf dem Tacho nicht mehr wert und so steht es noch immer in Yalgoo ... Wenigstens hatte ich durch den unfreiwilligen Aufenthalt mehr als genug Zeit ein paar Fotos zu schiessen. Der Ort hat neben einer Polizeistation zwei alte verfallene Kirchen, eine Krankenschwester, einen winzigen Tante-Emma-Laden und natuerlich einen Pub! Und eine lebendige Aboriginee-Kultur. Bevor jemand fragt, die Naidoc-Woche findet jedes Jahr in der ersten Juli-Woche statt und feiert die Geschichte, Kultur und Erfolge der Aborigines. Mehr dazu in englisch auf www.naidoc.org.au.


Ich hoffe nur, dass unser Wagen nicht auch mal so aussieht ... Dies ist uebrigens der Urvater aller 4WD Autos, ueberhaupt ist wohl Australien sowas wie das Geburtsland und Eldorado fuer Allradgetriebene Autos. Naja, fuer unser Auto wohl eher nur noch Friedhof ... Ach ja, merkwuerdige Verkehrszeichen haben die hier!!! Achtung im Schneckentempo fahren???
Fuer ein Team von uns folgte nun eine Nacht in Yalgoo, die anderen sind zurueck nach Geraldton um einen Mietwagen zu holen. Echtes Country-Pub-Feeling, deftige Burger mit Pommes und natuerlich Bier. Naja, auf Dauer jedenfalls ziemlich langweilig. Punkt 10.00 Uhr am naechsten Morgen konnten wir diese Einoede verlassen und unsere Reise im Outback Australiens fortsetzen. Ziel war diesmal Wongan Hills, statt arbeiten war dort nur noch uebernachten angesagt. Im oertlichen Pub hab ich dann Cindy kennengelernt, wiedermal eine Deutsche hinterm Tresen.
Sehr beliebter Nebenjob, ca. 300 Euro die Woche mit freier Unterkunft und Verpflegung sowie das Kennenlernen der typischen Australier! 
Von Wongan-Hills ging es durch ausgedehnte Getreidefelder auf kleinen Nebenstrassen nach Koorda. Die Farmen hier duerften noch groesser sein als die LPG's in der DDR. Wenn das Getreide hier richtig hochsteht und sich im Wind wiegt muss das ganze grossartig aussehen. Jetzt ist nur alles braun und abundzu schaut mal ein gruenes Pflaenzchen raus. Immer weiter durch diese Landschaft ging es bis nach Mukinbudin, ausgesprochen sowas wie Mackebuddn. Welche Bedeutung der Name hat konnte mir keiner der Einwohner erklaeren, nur soviel: irgendwas aboriginee ... Soviel beschaeftigt sich der Durchschnittsaustralier mit seinen Ureinwohnern ...
Der Bahnhof selbst duerfte nur noch zu den Erntezeiten wieder zum Leben erweckt werden. Im Hintergrund sieht man die grosse Befuellungsanlagen fuer das Getreide, die Gegend heisst hier nicht umsonst "The weatbelt"!

Auch hier konnten wir den ortseigenen Pub ausgiebig kennenlernen, denn hier hat es das zweite Auto erwischt. Irgendwo war ein Leck im Kuehlkreislauf, so wie wir oben das Kuehlmittel reinschuetteten, kam es unten wieder raus. Wer machte noch den Witz: Losgefahren mit 2 Autos, zurueckgekommen mit 2 Mietwagen... Jedenfalls konnte ein Team nochmals die lokale Gastfreundschaft testen und ist erst nach der Reperatur am naechsten Tag nach Perth zurueckgekehrt.
Ich habs jedenfalls wiedermal genossen auf diese Art und Weise das Land kennenzulernen. Viel zu arbeiten gab es nicht, aber Gott sei Dank verdiene ich ja auch beim rumkutschiert-werden. 