Trekken am Annapurna
11.11.2006 - 14.11.2006
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Kay auf Reisen
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- 1. Tag: Pokhara - Naya Pul - Tikedungha
Die Vorbereitungen sind erledigt, mein Rucksack ist mit Proviant vollgepackt und ich bin frohen Mutes. Der Annapurna-Circuit oder wenigstes ein Teil davon wartet auf mich. Es ist ein beeindruckender Wanderweg, der auch ueber den 5416 m hohen Thorung La Pass fuehrt. Circa 3 Wochen benoetigt man fuer die gesamte Wegstrecke, die Zeit hab ich leider nicht. So werde ich nur bis Tatopani, den heissen Quellen, wandern und von dort aus ueber Beni wieder nach Pokhara zurueckkehren. Wer mehr wissen will, hier gehts zum Wikipedia-Eintrag.
Auch einen geheimnisvollen Brief vom Leiter der Schule, wo mein Workcamp stattfand, hab ich - schoen mit Stempel. In nepalesisch verfasst versteh ich ihn natuerlich nicht. Mit ihm hoffe ich, an den TRC- und Maoisten-Checkpoints vorbeizukommen. Kurz bevor ich gestartet bin wurde der TRC neu eingefuehrt. Damit wird es fuer alle Trekker verpflichtend, mindestens einen Guide oder Traeger dabei zu haben. Dies dient vorrangig dazu, Einheimische staerker an Einkuenften aus dem Tourismus partizipieren zu lassen. Nun, einen Traeger brauch ich fuer die 4 Tage und mein bisschen Kram nun wirklich nicht und einen Fuehrer auf dem gut ausgebauten und viel begangenen Weg auch nicht. Ich will alleine wandern und natuerlich Geld sparen! Schlimmstenfalls gibt es Diskussionen, Strafzahlungen oder ich darf den Checkpoint nicht passieren. Schaun wir mal...
Mit dem Bus geht es bis nach Naya Pul, wo gleich die erste Haengebruecke ueber einem Gebirgsfluss auf mich wartet. Auf der anderen Seite werde ich mit einem "Namaste" begruesst - keine Kontrolle, nur ein Einheimischer der sein Englisch praktizieren moechte. Nach kurzem Plausch und seiner Bestaetigung, dass ich auf dem richtigen Weg in Richtung Birethani bin, gehts los. Auf schmalem Weg, eher Trampelpfad, geht es an Terrassenfeldern vorbei in die erste Schlucht. Stellenweise laesst sich der Weg nur erahnen, er schlaengelt sich durch Bananenplantagen, vorbei an Mandarinenbaeumen und wilden Ananas. Auf der anderen Seite der Schlucht ist ein breiter Weg mit einigen Wanderern zu sehen. Bin ich richtig? Nach einem Blick auf die Karte gehts weiter, gleich muesste Birethani kommen. Und siehe da, nach einer weiteren Haengebruecke bin ich da. Vor mir liegt nun der Annapurna Circuit und hinter mir der erste Checkpoint. Den hab ich glatt umgangen - auch okay, eine Sorge weniger! ![]()
Von jetzt an geht es staendig bergan, der Weg ist breit und ich bin nicht mehr allein. Mit mir sind andere Trekker, Eselkarawanen und einheimische Traeger unterwegs - richtig viel Verkehr. Der Weg ist gut ausgebaut, alle Steigungen bestehen aus nicht enden wollenden Treppenstufen. Es geht an einzelnen Gehoeften und Siedlungen vorbei. Die Bewohner leben meist noch ohne Strom und fliessend Wasser. Die Tiere wie Kuehe, Wasserbueffel oder Ziegen stehen, wenn sie nicht auf den Feldern sind, in einem Anbau, der meist direkt an das Wohnhaus grenzt - also alle unter einem Dach.
Es ist ein hartes Leben hier draussen und jeder versucht, an den Wanderern zu verdienen. Am etabliertesten sind dabei die Restaurants und Gasthaeuser, wobei es meist eher eine Kombination aus beidem ist. Wenn man im angeschlossenen Restaurant etwas ist, schlaeft man fuer umsonst. Nette Geschaeftsidee und ein bisschen mehr, viele Wanderer wuerden sich vielleicht selbst versorgen und nur das kostenlose Bett in Anspruch nehmen. So aber bleibt etwas Geld in der lokalen Oekonomie haengen.
Wer kein Restaurant oder Gaesthaus sein eigen nennt, versucht es z.B. mit dem Verkauf von Mandarinen. Meist sind es Kinder die die Fruechte verkaufen. Zum Wandern sind sie super geeignet, bei den endlosen Treppen ist man mit dem Schaelen der Fruechte beschaeftigt und kann sich dann fuer jeden geschaften Absatz belohnen. Und nebenbei schmecken sie auch gut und man deckt sich mit den noetigen Fluessigkeiten ein. Ich war jedenfalls ein begeisterter Nutzer dieses Services. ![]()
Den ersten Tag dieser Wanderung hab ich in Tikedungha beendet. Spontan hab ich mir die Daulaghiri-Lodge ausgesucht, etwas gegessen und mit einer internationalen Reisegruppe bei Kerzenschein ueber das Trekken in Nepal geplaudert.
- 2. Tag: Tikedungha - Ghoropani
Eins wird mir gleich zum Beginn des heutigen Tages klar: Die paar Treppenstufen gestern waren nur die Aufwaermuebung fuer heute. Gleich zum Beginn geht es steil bergauf, mehr als 500 Hoehenmeter sind schon in den ersten Stunden zu ueberwinden. Wieder hat sich die Sonne dazu gesellt und macht das ganze erst recht schweisstreibend. Nun war ich auch nicht unbedingt einer der Fruehaufsteher, eher wohl einer der letzten - naja, so kann ich das Feld von hinten aufrollen. ![]()
Nach dem ersten Anstieg ergibt sich ein toller Ausblick aufs Tal und die Terrassenfelder. Ueber Jahrhunderte gewachsen nehmen sie nun das ganze Tal ein. Die meiste Zeit des Jahres ist der Anbau von Feldfruechten moeglich, selbst die Winter sind sehr mild. Wobei sich "mild" wahrscheinlich eher auf die sonst ueblichen Winterbedingungen in Nepal bezieht.
Kaum verlasse ich dieses Tal aendert sich die Natur. Nachdem es wieder einige Hoehenmeter hinabging befinde ich mich nun mehr oder weniger im Dschungel. Moosbewachsene Baeume, Epiphyten und riesige Rhododendrenbaeume saeumen meinen Weg. Waehrend derer Bluetezeit muss das ganze nur wahnsinnig aussehen! Jetzt jedenfalls bin ich hier voellig allein und im Guide stand, dass dies der gefaehrlichste Part des Trecks ist, hier ist wohl schon so mancher Wanderer sein Geld los geworden. Mir ist nix passiert und ich kann mich wohlbehalten an den naechsten Anstieg wagen. Nun geht es bis auf 2700m nach oben, bis zum heutigen Etappenziel Ghoropani. Auf dem Weg dahin begegne ich John und Anne, die sich mit ihren mehr als 50 Jahren eher gemaechlich dem Gipfel naehern. Sofort entspannt sich eine interessante Diskussion und so wandern wir gemeinsam, irgendwie ist es mir auch angenehmer, hier nicht allein unterwegs zu sein. ![]()
Ghoropani selbst liegt wirklich auf der Spitze des Berges, zu beiden Seiten des Dorfes geht der Weg steil bergab. Wir steigen in der Dhaulaghiri-Lodge ab. Die Sonne geht ziemlich schnell unter und mit ihr sinken die Temperaturen. Alles versammelt sich um den einzigen Ofen, der soziale Mittelpunkt im Hotel. John zeigt stolz die Fotos seines Hauses in England, direkt am Aemelkanal gelegen. Als Architekt hat er das Gespuer, aus einer alten Scheune ein tolles Haus mit dem gewissen Etwas zu zaubern. Nach einem tollen Abendessen, naja, nach so einem anstrengenden Tag schmeckt alles super
, verschwinde ich im Bett, morgen heisst es frueher als die Sonne aufstehen.
- 3. Tag: Ghoropani - Tatopani
Von heute an geht es nur noch bergab, sagt zumindestens meine Karte. Bevor ich mich jedoch darauf freuen kann, heisst es erstmal wieder Treppensteigen, nochmals 400 Hoehenmeter gewinnen um einen tollen Sonnenaufgang ueber der Annapurna-Range und den Dhaulagiri zu erhalten. Schneller als gedacht sind John und ich hier hoch gekommen und hinter uns quaelt sich die Sonne durch die Wolken. Gleich einer Karawane schieben sich Dutzende Trekker und deren Fuehrer den Berg empor um dem Sonnenaufgang zu huldigen.
Oben angekommen begruessen uns die ersten Sonnenstrahlen. Ein atemberaubender Ausblick bietet sich uns und zu unserem Glueck hat es auch noch aufgeklart! Die Achttausender sind zum greifen nah. Man glaubt kaum, dass nochmals 5000 Hoehenmeter notwendig sind, um die Gipfel zu erreichen. Ich kann ausserdem einen Blick auf das tiefste Tal der Welt erhaschen, dass heute mein Ziel sein wird.
Nach einem gemeinsamen Fruehstueck mit Anne und John geht es gegen 11.00 los. Immer bergab, den Dhaulagiri fest im Blick. Treppenstufen wechseln sich mit einem "normalen"Wanderweg ab, jedoch will der Weg einfach nicht enden... Endlich auf Flussniveau wartet doch tatsaechlich ein TRC- und ein Mao-Checkpoint auf mich. Das TRC ist eine sehr neue Regelung die besagt, dass man als Trekker mindestens einen Guide oder einen Traeger braucht. Idee dahinter ist es, mehr Einheimische in Lohn und Brot zu bringen. Jedoch ist damit unabhaengiges Trekken unmoeglich und viele wollen ja gerade allein in der Natur unterwegs sein. Selbst Guides in Pokhara haben mir gesagt, dass sie mit dieser gesetzlichen Regelung ebenfalls nicht einverstanden sind. Ich habe Trekker getroffen, die aufgrund dieser Regelung wohl das letzte Mal in Nepal gewesen sind. Der Mao-Checkpoint existiert jedoch schon ein Weilchen. Das ist nichts als moderne Wegelagerei, da mit den Einnahmen aus dem Wegezoll der Widerstandskampf finanziert wird. Offiziell werden mit dem Geld lokale Infrastrukturen wie Schulen, Brunnen oder Aerzte finanziert - die Tochter des Maoisten-Fuehrers studiert in den USA...
Egal, hier muss ich vorbei um nach Tatopani zu kommen. Vor mir ist eine Reisegruppe und ich versuche, mit ihnen durchzuschluepfen. Nix da, der Checkposten begruesst mich freundlich aber bestimmt. Nun zeigt sich, was der Brief wirklich wert ist. Und siehe da, nach zweimaligem Lesen wird mir der Brief mit einem herzlichen Danke zurueckgegeben und ich darf passieren. So auch beim Mao-Checkpoint - schliesslich hab ich ja genau das getan, wofuer die Maoisten offiziell das Geld einsammeln!
Dann die letzten Kilometer rein in die Schlucht, nochmals 2 Haengebruecken ueberquert und dann ist das Tagesziel erreicht - Tatopani! Auf deutsch "heisses Wasser".
Wieder steige ich in einer Dhaulagiri-Lodge ab. Orangenbaueme, deren Duft und das Rauschen des Gebirgsflusses umgeben mich! Hier koennte ich wohl ein paar Tage bleiben...Erstmal auf zu den heissen Quellen am Flussufer und ein Bad genommen! Herrlich, schoen warm, mit einem Bier in der Hand und dem Blick hoch zu den 8000ern laesst es sich aushalten! Den Tag beende ich mit Lasagne, Bier und einem Schokoladenkuchen!!! Als ich mir den Kuchen bestelle fragt mich der Besitzer des Hauses, wie lange ich denn gedenke zu bleiben - tja, darauf hab ich selbst noch keine Antwort. Er empfiehlt mir zu warten, "was Ihnen Ihr Traum sagt. Manchmal muss man einfach auf seine Traeume hoeren." Recht hat er, Entscheidungen koennen doch so einfach sein...
- 4. Tag: Tatopani - Beni
Mein Traum war sehr verworren, so dass ich schlussendlich doch selbst entschieden hab. Es ist wirklich wunderschoen hier, aber es gibt noch soviel zu sehen und leider draengt die Zeit, schliesslich geht am 20. der Flieger. Also doch weiterwandern.
Die Strecke heute war wundervoll, wenn man mal vom Strassenbau absieht. Wieder an den Checkpoints problemlos vorbei geht es immer am Fluss entlang. Das Tal variiert zwischen schluchtartig schmal mit steil aufragenden Haengen zu beiden Seiten und weitlaeufigen Ebenen mit Terrassenfeldern. Es macht mir wirklich Spass hier entlang zu laufen, es macht Vorfreude auf mehr, sollte ich hierher zurueckkehren. Letzter hab ich mir fest vorgenommen, ist Nepal doch so schoen zum ausspannen und die Welt Welt sein zu lassen. Aber man muss sich beeilen, wenn man den Annapurna-Circuit noch "unverfälscht" erleben möchte. Der Strassenbau schreitet voran und wird wohl bis Jomson reichen. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite der Tourist/Trekker der gerade diesen Ort aufsucht, da er eben nicht per Strasse erreichbar ist. Es ist diese Unberührtheit, Unverfälschtheit, dieses so weit wie möglich entfertn von jeglicher "Zivilisation" sein, das er sucht. Aber auf der anderen Seite sind die Einheimischen, bei denen eine Strasse gleichbedeutend mit besserer und preiswerterer Versorgung, medizinische Betreuung, Zugang zu Märkten etc. ist. Im Moment sieht es so aus, als ob die Strasse nur eine Piste wird, die von schmalen Jeeps befahrbar ist. Dies koennte ein Kompromiss sein, doch neigen solche Strassen durch Ausweichstellen immer breiter zu werden und irgendwann kommt der Asphalt. Auch wird der Trekking-Pfad dieser Strasse geopfert - ergo muss man spaeter Autos ausweichen.
Die breiteren Strassen hab ich schon auf dem Weg nach Beni gesehen. Auf halbem Weg nach Beni kann der muede Trekker in Jeeps steigen. Diese bringen ihn dann bis zur naechsten Haengebruecke, umsteigen in einen Bus und weiter gehts bis zur naechsten Brücke in Beni. Dort wartet dann der Bus nach Pokhara...ich konnte nur alle bemitleiden, die dies gemacht haben. Denn das Tal ist echt wunderschön, okay, den zweiten Teil kann man sich wirklich sparen. Da ist der Trail nun schon eine Schlaglochübersehte Piste, 4-5 m breitund es macht keinen Spass, dort zu laufen. Ich kann aber die müden Trekker verstehen, wenn sie nach 2 bis 3 Wochen wandern die erstbeste Möglichkeit nutzen. wieder fortbewegt "zu werden". ![]()
Auf dem Weg zurück nach Pokhara löst sich ein Reifen des Buses mit lautem Knall in Rauch und einzelne Gummistückchen auf - just an meinem Platz. Knall und Lichtausfall im Bus lösen erstmal andere Gedanken aus, schliesslich ist das alles hier noch Maoistengebiet...Nach 30 min ist der Reifen gewechselt und es geht weiter, zurück nach Pokhara, zurueck in die Zivilisation.
Posted by Kays Welt 14.11.2006 7:14 AM Archived in Nepal







